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Das letzte Märchen
Märchen 1992 - 2017
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Artikel in der Rhein-Zeitung Rhein-Lahn-Kreis (West) Bad Ems

vom Mittwoch, 22. November 2017, Seite 16
 

Echter „Brinz“ küsst sein Dornröschen wach

 

Theatergruppe Kunterbunt führt

nach 25 Jahren ihr letztes Stück auf

– Stets Spende an soziale Projekte

 

Von unserem Mitarbeiter Norbert Schmiedel

 

Bogel. Der Vorhang hat sich endgültig für die Theatergruppe Kunterbunt geschlossen. Zu ihrem 25-jährigen Jubiläumstück „Dornröschen“ beendete die quirlige Theatergruppe ihre Arbeit zugunsten karitativer Einrichtungen. Angefangen mit der Aufführung „Die kleine Hexe“ im Jahr 1992, gefolgt von beispielsweise „Der Sternenputzer“, „Das tapfere Schneiderlein“, „Kalle im Traumland“, „Wie Puck Weihnachten rettet“ oder „Das verschwundene Zauberlicht“ bis hin zu „Im Land der Leuchtkäfer“ im Jahr 2016 brachte die Theatergruppe jedes Jahr ein wunderbares Schauspiel für Kinder auf die Bühne, für das sich die Erwachsenen ebenso begeistern konnten.

Das alles kostete viel Arbeit, Mühen und Schweiß, auch sehr viel Zeit, denn die Gruppe machte alles selbst: Regie, Ton und Licht, sogar das Bühnenbild und die Kostüme. Naja, nicht alle Kostüme, denn die mussten wegen ihres Aufwandes auch mal aus einem Kostümverleih entnommen werden wie jetzt zu Dornröschen. Kamen die Darsteller zu Beginn noch alle aus Espenschied, so mischten sie sich im Laufe der Zeit aus Mitspielern des Blauen Ländchens und der VG Loreley.

In der Mehrzweckhalle Bogel steht ihnen seit 17 Jahren die Bühne zu Proben und den immer drei Vorführungen zur Verfügung, aufgeteilt nach Kindergärten und Schulklassen. Eine ganz besondere Leistung der Truppe war es, die Stücke immer der Aufmerksamkeit der Kinder anzupassen. So auch jetzt bei dem Stück „Dornröschen“ als Pia Harlos als Märchenerzählerin immer dann die Geschichte las, wenn neue Darsteller in die Szene traten.

Diese Variante war bei den Brüdern Grimm natürlich nicht vorgesehen, wohl aber bei Sabine Hofschweiger-Zihr, die dem Märchen ihren eigenen neuzeitlichen Stempel aufdrückte. Dass das Märchen auf einem Schloss mit dem König (Anja Haibach), der Königin (Inge Kloos), der Köchin (Dana Haibach) und einem Diener namens Ferdinand (Jan-Lucas Kloos) spielte, und dass dem Königspaar eine Tochter, das Dornröschen (Ina Crecelius), geboren wurde, das war den Kindern bekannt. Dass aus diesem Grund ein großes Fest gefeiert werden sollte, zu dem neben vielen Freunden vor allem die 13 Feen eingeladen werden mussten, das war von der Märchenerzählerin zu erfahren.

So ein Pech, dass ausgerechnet der 13. goldene Teller zu Boden fiel und zerbrach. Jetzt gab es keinen Teller mehr für die 13. Fee. Sie konnte also nicht eingeladen werden. Das kam dem König gerade recht, denn er konnte die Fee sowieso nicht leiden. Diese 13. Fee (Anna Kloos und Jacqueline Ostmann in einer Doppelrolle vor und nach dem Jahrhundertschlaf) aber ließ sich das nicht gefallen. Die Erzählerin warnte sie, dem König gegenüber aufzutrumpfen und ohne Einladung auf das Schloss zu gehen. Die Fee aber schäumte vor Wut und verschaffte sich frech mit vorlautem Mundwerk auf ihr Feenrecht einer Einladung pochend Zutritt. Als der König sie aber hinauswarf, sann sie nach Rache.

Dazu brauchte sie aber die Hilfe der Erzählerin, die erst einmal in dem dicken Buch nachlesen musste, wie es weitergehen sollte. Mit neuen Informationen versorgt, rannte die Fee wieder ins Schloss und verhexte das Neugeborene, es möge sich an seinem 15. Geburtstag an einer Spindel stechen und in einen hundertjährigen Schlaf fallen. Der Zauber aber funktionierte nicht, also fragte sie wieder die Märchenerzählerin um Rat.

Der lautete, der Zauber würde nur funktionieren, wenn dabei heftiges Donnergrollen zu hören sei. Also erschien die Fee wieder am Bettchen der Prinzessin, verhexte sie erneut, und tatsächlich, kräftiger Donner rollte über die Bühne, Blitze zuckten durch die Dunkelheit so sehr, dass sich die Fee ganz schön vor ihrem eigenen Zauberspruch erschrak. Dornröschen stach sich an einer Spindel, Schloss und Land verfielen für 100 Jahre in einen tiefen Schlaf, undurchdringliche Dornenhecken wuchsen an Mauern und Toren empor.

Die 13. Fee und die Märchenerzählerin standen vor einer schwierigen Aufgabe. 100 Jahre waren vorüber, jetzt müsste ein Prinz kommen und die Prinzessin wachküssen. Aber woher einen echten Prinzen nehmen? Die Idee eines Prinzencastings im Stile der heutigen Fernsehshows war geboren, also wurde die Werbetrommel gerührt, überall im Land wurden Plakate aufgehängt. Lange kam kein würdiger Bewerber, nur Angeber und Angsthasen, die die Hecke nicht bezwingen konnten.

Dann schien doch noch einer qualifiziert zu sein, ein echter Prinz, der aber nur versprach, die Hecke am Tor zu beseitigen und das auch vollbrachte, bevor er wieder verschwand. „Dornröschen? Prinzessin? Interessiert mich nicht.“ Jedenfalls war jetzt der Zugang zur Prinzessin frei, aber welcher Prinz war da, um sie wach zu küssen?

Diener Ferdinand kam gerade recht, denn er hatte schon lange ein Auge auf die Prinzessin geworfen und sie war nicht abgeneigt. Aber er war kein Prinz, das änderte die Fee im Handumdrehen mit einem Zusatz „Brinz“ in seinem Ausweis.

„Prinz schreibt man mit P“, monierte die Märchenerzählerin, aber der König erkannte den Aufstieg seines Dieners zum Prinzen an und alles wurde gut. Prinz Ferdinand und Dornröschen wurden ein Paar. Die Fee hatte ihre Lektion gelernt, vertrug sich mit dem König, der sich nun wieder seinen Süßspeisen in der Küche widmen konnte. Der Applaus wollte nicht enden, aber der Vorhang schloss sich diesmal für immer.

 

 

Ach du Schreck, es donnert und blitzt, der Zauber der 13. Fee (Jacqueline Ostmann) hat gewirkt, Dornröschen wird 100 Jahre lang schlafen.

Die Köchin (Dana Haibach), König (Anja Haibach) und Königin (Inge Kloos) sowie Diener Ferdinand (Jan-Lucas Kloos) sind entsetzt.

 

Foto: Norbert Schmiedel

 
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Theatergruppe Kunterbunt e.V.